Di – Sa
11 – 18

28.01
03.03
2022

Lindsay Lawson
Apophany!

Unter Apophänie versteht man die Neigung, Muster zu erkennen. Verbindungen und Symbolen dort aufzufinden wo keine vorliegen, wird als pathologisch eingestuft, als fehlgeleitetes Suchen einer gestörten Psyche. Entspricht das nicht dem Metier der Künstler*innen: sich inmitten von einander unabhängigen Punkten zu bewegen und dazwischen liegenden Verbindungen Substanz zu verleihen?

Lindsay Lawsons neue Arbeiten sind beschuppt und verchromt und wirken dabei, als wären sie einem Sumpf entwichen. Sie sind das Ergebnis unterschiedlicher mechanischer und digitalisierter Verfahren, durch die die Künstlerin eine bestialische, abstrahierte Welt aus Textur und Oberfläche entwirft, in der das Bildmaterial der Massenmedien in Gänze verschluckt und als neue gestische Formen wieder hochgewürgt wird. Der Untergrund der Gemälde aus Krokodillederimitat verzerrt und abstrahiert die Bilder, die er trägt, wodurch sie in den Fokus rücken und sich gleichzeitig von ihm abwenden: Verschwörungstheoretiker sind sich bewusst, dass die einzig echte Wahrheit in ihnen selbst liegt.

Lawsons Werke kommen wie Perlen zustande. Spezialisierte Perlglanzfarben werden von Hand auf 3D-Drucke aufgetragen, die dabei anschwellen und sich ausdehnen. Die so entstehenden Objekte entziehen sich auf surreale Weise ihren Ursprüngen. Der Dreck des modernen Lebens, seine Schlagzeilen und Katastrophen werden einer Verwandlung unterzogen, dessen Resultat Lawsons Taschen, Hüte und Gemälde überzieht.

Was wird in diesem Gepäck geschmuggelt? Die perforierten Nachrichten entstammen geleakten E-Mails einer amerikanischen Politikerin, die sich hier auf Graphit bedeckte Skulpturen wiederspiegeln. Lücken und Schwärzungen unterbrechen sowohl die Schrift als auch die Formen und lassen dabei Öffnungen zurück, durch die eine korrosive Substanz sickert. Sie scheint zu mutieren und sich aufzulösen. Diese unvorhersehbare Eigenschaften tragen wiederum zu dem bei, was Daniel Horn einmal Lawsons “nonchalantly paranoidschizoid installation” genannt hat. Sie durchdringt sämtliche Materie und bewirkt, dass eine Fülle von Objekten in den Mittelpunkt rückt, die durch ihre Beziehung zum Sehen und zu Informationen transformiert wird.

In Apophany! wird der Ausstellungsraum zu einer Landschaft konkurrierender Zeiträume, in der das rasante Tempo des pausenlosen Medienzyklus mit dem geologischen Alter der Weltmeere kollidiert. Aus der Kluft, die durch diesen Konflikt entsteht, extrahiert Lindsay Lawson eine Reihe von psychedelisch schönen Objekten.

Lindsay Lawson (1982, USA) lebt und arbeitet in Berlin. Zu ihren institutionellen Ausstellungen zählen unter anderen: Kunstverein Leipzig, Leipzig; Berghain, Berlin; Centre Pompidou, Paris sowie die 9. Berlin Biennale.

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson, "Apophany!", installation view, Efremidis, 2021

Lindsay Lawson

National Geographic, 2022

Lindsay Lawson

Time, 2022

Lindsay Lawson

L'Obs, 2022

Lindsay Lawson

The New Yorker, 2022

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The New York Times, 2022

Lindsay Lawson

The Washington Post, 2022

Lindsay Lawson

G, 2022

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FTWR, 2022

Lindsay Lawson

b, 2022

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Q, 2022

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OK, 2022

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Hillary's Emails (Weekender), 2022

Lindsay Lawson

Hillary's Emails (Weekender), 2022

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Hillary's Emails (Carry-On), 2022

Lindsay Lawson

Hillary's Email (Valise)

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Prime Time, 2022

Lindsay Lawson

Hermit Crab in a Theranos Mug, 2022

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Member Station, 2022

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