Di – Sa
11 – 18

18.06
22.08
2021

[erp]
Willem Oorebeek
Schmale Anzeige

In seiner neuen Ausstellung bei Efremidis beklebt Willem Oorebeek die Schaufenster der Galerie mit dem überdimensional großen Slogan “Free China From Tibet” in Frakturschrift. Die Umkehrung des populären Appells (“Free Tibet”) fordert die Befreiung der Volksrepublik China und wirft die Frage auf, was diese Freiheit für das Land der Mitte bedeuten würde.

Oorebeeks Werk positioniert sich vor dem Hintergrund einer westlichen Gegenwart, in der sich eine Zuspitzung politischer Rhetorik und eine verhärtende Polarisierung im öffentlichen Diskurs beobachten lassen. Dem Wunsch nach unmissverständlicher Eindeutigkeit und dem Verstehen einer sich fortlaufend differenzierenden Welt kann man nicht gleichzeitig gerecht werden. Die Verhältnisse sind schlicht komplexer. Die künstliche Klarheit politischer Parolen läuft zwangsweise Gefahr, die Legitimität von Meinungen zu diskreditieren.

Neben der Diskrepanz zwischen Schrift und dem, worauf sie verweisen will, untersucht Willem Oorebeek in seiner Arbeit auch die Grenze zwischen Bild und Sprache. Die Klarheit der gedruckten Aussagen steht in einem Spannungsverhältnis zu der erschwerten Lesbarkeit des Textes. Die Unleserlichkeit aufgrund der Setzung in deutscher Kalligraphie treibt die Buchstaben aus der Sphäre der Sprache in die des Bildes.

Oorebeek setzt sich beständig mit dem Medium Druck auseinander: Schrift und Bilder werden kopiert, vervielfältigt und ihren gewohnten Referenzsystemen entrissen. Form und Inhalt entfremden sich. Die Klarheit der ursprünglichen Aussage geht verloren und steht im Kontrast zur scheinbaren Eindeutigkeit des Slogans.

Oorebeeks Arbeit reflektiert die daraus resultierende Ungewissheit und eröffnet die Möglichkeit, zu einer hinreichenden Differenzierung zurückzufinden.

Willem Oorebeek (geb. 1953 in Pernis, NL) lebt und arbeitet in Brüssel, BE. Seinem Werk wurden Einzelausstellungen in folgenden Institutionen gewidmet: Sundogs, Paris (2018); Yale Union, Portland (2015); Fundação Caixa Geral de Depósitos – Culturgest, Lissabon (2008); Stedelijk Museum voor Aktuele Kunst, Ghent (2006); Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst, Münster, mit Joëlle Tuerlinckx (2005); Badischer Kunstverein, Karlsruhe, mit Joëlle Tuerlinckx (2004) und im Museum Boijmans van Beuningen (1988 und 1996-1999). 1997 vertrat er zusammen mit Aernout Mik die Niederlande bei der 47. Biennale di Venezia.

[erp] Willem Oorebeek
"Schmale Anzeige", Efremidis, 2021
Installationsansicht

[erp] Willem Oorebeek
"Schmale Anzeige", Efremidis, 2021
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[erp] Willem Oorebeek
"Schmale Anzeige", Efremidis, 2021
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"Schmale Anzeige", Efremidis, 2021
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